250. Split-Lebertransplantation am Universitätsklinikum

Regensburg.  Meilenstein für die Mediziner am Universitätsklinikum Regensburg (UKR): Spezialisten transplantierten Mitte Juni 2020 einem Kleinkind und einer Erwachsenen eine Leber. Das Besondere: die Ärzte hatten nur ein Spenderorgan zur Verfügung. Insgesamt war es die 250. Split-Lebertransplantation am UKR.

„Der Aufwand ist groß, aber es ist schön zu sehen, dass wir mit einem Spenderorgan zwei Patienten helfen können und das bereits zum 250. Mal“, kommentiert Professor Dr. Stefan Brunner, Stellvertretender Direktor der Klinik und Poliklinik für Chirurgie des UKR, die 250. Split-Lebertransplantation. Mit dieser Technik ist es möglich, mit nur einem Spenderorgan zwei Patienten das Leben zu retten. Dabei wird die Spenderleber unmittelbar nach Eintreffen im Transplantationszentrum von einem spezialisierten Chirurgenteam geteilt. Der kleinere Leberanteil ist für ein Kind und der größere Leberanteil für n einen Erwachsenen bestimmt. Parallel zur Teilung des Spenderorgans beginnen zwei weitere Chirurgenteams mit der Entfernung der erkrankten Lebern bei den jeweiligen Empfängern.

Hochspezialisierte Teams und schnelle Reaktionen

In der Transplantationsmedizin sind solche Operationen nicht im Voraus planbar, da man nicht weiß, wann ein passendes Spenderorgan zur Verfügung steht, so dass zu jeder Tages- und Nachtzeit hochspezialisierte Teams von verschiedenen an der Transplantation beteiligten Fachbereichen zur Verfügung stehen müssen Dabei ist eine schnelle Reaktion mit hohem organisatorischen Aufwand notwendig, um keine Zeit zu verlieren. Zwei Patienten, davon ein Kleinkind oder Säugling, müssen für die Operation vorbereitet werden, Gleiches gilt auch für die Spenderleber. „Nur ein fein abgestimmtes Zusammenspiel der verschiedenen medizinischen Disziplinen ermöglicht es, diese Eingriffe so präzise und auch erfolgreich durchzuführen“, so Professor Dr. Hans Jürgen Schlitt, Direktor der Klinik und Poliklinik für Chirurgie des UKR. Daher gehören solche komplexen Operationen nur an sehr wenigen Kliniken in Deutschland zum medizinischen Standard, wie es Universitären Transplantationszentrum Regensburg der Fall ist. Angesichts des Organmangels in Deutschland ist dieses Verfahren jedoch wichtig, um mit den zur Verfügung stehenden Spenderorganen möglichst achtsam umzugehen und vielen Patienten helfen zu können.

Auch der sechs Monate alte Lucca Eliah und Frau R. erhielten so ihr neues Spenderorgan. Neben den technischen Voraussetzungen und dem medizinischen Know-how ist natürlich auch die Beschaffenheit der Spenderleber entscheidend. „Auch wenn die Leber ein Organ ist, das sich prinzipiell sehr gut regenerieren kann, muss das Spenderorgan eine sehr gute Qualität haben, um einen möglichst komplikationsfreien Verlauf und eine gute langfristige Funktion zu erreichen“, erklärt Professor Brunner. Werden alle Voraussetzungen erfüllt, werden in einer vier- bis sechsstündigen Operation beiden Patienten die Teillebern transplantiert. Im Fall von Lucca Eliah übernimmt anschließend das Team aus der Kinder- und Jugendmedizin unter Leitung von Professor Dr. Michael Melter, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, und Frau Dr. Birgit Knoppke, verantwortliche Kinderärztin für die pädiatrische Lebertransplantation, die weitere Versorgung des Patienten.

Diese Aufgaben übernimmt die Leber

Die Leber ist als zentrales Organ für die Entgiftung des Körpers zuständig. Wenn ihre Funktion gestört ist, wird der Körper mit Giftstoffen überschwemmt, und lebenswichtige Stoffe, die zum Beispiel für die Blutgerinnung verantwortlich sind, werden nicht mehr gebildet. So ist für Patienten mit einem Leberversagen eine Lebertransplantation oftmals die einzige Möglichkeit einer Behandlung.

 

Bericht und Bild: Universitätsklinikum Regensburg