Rund 220 Bundespolizisten durchsuchten am Donnerstagmorgen sieben Objekte in Hessen und Niedersachsen. Im Mittelpunkt: ein mutmaßlich international agierendes Netzwerk zur gewerbsmäßigen Einschleusung usbekischer Staatsangehöriger nach Deutschland.
Ausgangspunkt: Grenzkontrolle an der A6 bei Waidhaus
Der Ursprung der Ermittlungen liegt im Oktober 2025. Im Rahmen der vorübergehend wiedereingeführten Binnengrenzkontrollen zur Tschechischen Republik kontrollierten Bundespolizisten an der A6 bei Waidhaus einen usbekischen Staatsangehörigen in einem Fernreisebus auf der Route Prag–Amsterdam. Der Mann wies sich mit einem gültigen usbekischen Reisepass und einem tschechischen Schengenvisum für einen einmaligen Aufenthalt von acht Tagen aus.
Bei der Durchsuchung seines Gepäcks fanden die Beamten vier mutmaßlich gefälschte lettische Identitätskarten sowie einen mutmaßlich gefälschten polnischen Führerschein. Auf seinem Mobiltelefon stellten die Ermittler zudem Fotos von vier tschechischen Schengenvisa fest. Dieser Fund legte den Grundstein für ein umfassendes Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Weiden i.d.OPf.
Sieben Objekte gleichzeitig durchsucht
Am Donnerstag, den 21. Mai 2026, ab 06:00 Uhr führten rund 220 Bundespolizistinnen und Bundespolizisten im Auftrag der Staatsanwaltschaft Weiden i.d.OPf. simultane Durchsuchungen in sieben Objekten durch. Betroffen waren die Landkreise Hersfeld-Rotenburg und der Werra-Meißner-Kreis in Hessen sowie der Landkreis Helmstedt in Niedersachsen.
Dabei konnten das mutmaßlich führende Mitglied der Gruppierung sowie elf weitere Zielpersonen angetroffen werden. Zusätzlich wurden neun Personen festgestellt, bei denen der Verdacht besteht, sich unerlaubt in Deutschland aufzuhalten. Gegen eine weitere Person lag ein Vollstreckungshaftbefehl der Staatsanwaltschaft Gießen wegen Sachbeschädigung vor.
Gefälschte Dokumente und systematischer Behördenbetrug
Nach bisherigem Ermittlungsstand besteht der Verdacht, dass die Tätergruppierung für arbeitssuchende usbekische Staatsangehörige Kurzzeitvisa für den Schengenraum beschafft hat — unter Vorlage falscher Angaben und gefälschter Flugtickets gegenüber Behörden. Nach der Einreise sollen die Personen mit total gefälschten EU-Personaldokumenten ausgestattet worden sein, darunter Identitätskarten, Reisepässe, Aufenthaltstitel und Führerscheine verschiedener EU-Staaten. Mit diesen falschen Identitäten sollen anschließend Anmeldungen bei Kranken- und Rentenversicherungen, Finanzämtern sowie Einwohnermeldeämtern erfolgt und Bankkonten eröffnet worden sein.
Insgesamt können der Gruppierung nach aktuellem Stand 76 erteilte Visa zugeordnet werden. Für ein Visum sollen rund 2.000 Euro, für Flugtickets weitere 2.000 Euro, für gefälschte Führerscheine 400 Euro und für gefälschte Identitätskarten rund 300 Euro verlangt worden sein. Bei den Durchsuchungen wurden unter anderem mehr als zwanzig Mobiltelefone, zwei Notebooks, mutmaßlich gefälschte Dokumente sowie Bank-, Melde- und Versicherungsunterlagen sichergestellt. Die gewerbsmäßige Einschleusung von Ausländern ist in Deutschland eine schwere Straftat und kann mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren geahndet werden.
Ermittlungen dauern an – Haftbefehl gegen Hauptbeschuldigten geprüft
Die Staatsanwaltschaft Weiden i.d.OPf. prüft derzeit, ob gegen den Hauptbeschuldigten ein Haftbefehl erlassen wird. Die sichergestellten Beweismittel werden rechtsstaatlich ausgewertet. Der leitende Staatsanwalt Matthias Bauer betonte: „Wir gehen konsequent gegen Strukturen vor, die reguläre Migrationsverfahren, behördliche Abläufe und soziale Sicherungssysteme gezielt missbrauchen wollen. Für alle Beschuldigten gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.“ Die Ermittlungen dauern an.