In Gebenbach fotografierte ein 71-Jähriger die Reanimation seines Nachbarn. Die Polizei ermittelt nun wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs.
Medizinischer Notfall in Gebenbach
Gebenbach. Am Samstag, den 11. Juli 2026, gegen 19:15 Uhr, erlitt ein 75-jähriger Bewohner von Gebenbach einen kritischen medizinischen Notfall. Im Zuge dessen trafen mehrere Rettungskräfte am Wohnort des Patienten ein und leiteten umgehend Reanimationsmaßnahmen im Rettungswagen ein.
Nachbar fotografiert Reanimation am Fenster
Während der laufenden Reanimation fiel den Einsatzkräften auf, dass der 71-jährige Nachbar des Patienten an seinem Fenster stand. Der Mann hielt eine Spiegelreflexkamera in den Händen und fotografierte augenscheinlich die Reanimation sowie die Rettungskräfte bei der Arbeit. Die Einsatzkräfte alarmierten daraufhin die Polizei.
Polizei stellt Kamera und Speicherkarte sicher
Eine hinzugezogene Streifenbesatzung der Polizeiinspektion Sulzbach-Rosenberg stellte den 71-Jährigen zur Rede. Die Beamten konnten auf der Speicherkarte der Kamera tatsächlich Bilder feststellen, welche den 75-jährigen Patienten sowie die Rettungskräfte bei der Reanimation zeigten. Die Spiegelreflexkamera samt Speicherkarte wurden sichergestellt.
Ermittlungsverfahren und Appell der Polizei
Die Reanimation des 75-jährigen verlief erfolgreich. Anschließend wurde der Patient in ein nahegelegenes Krankenhaus zur weiteren ärztlichen Versorgung verbracht. Die Staatsanwaltschaft leitete gegen den 71-jährigen Nachbarn ein Ermittlungsverfahren wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und von Persönlichkeitsrechten durch Bildaufnahmen ein.
Nach dem Strafgesetzbuch können Gaffer, die Verletzte oder verunglückte Fahrzeuge fotografieren oder filmen, mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe rechnen. Entscheidend ist dabei allein die Anfertigung der Aufnahmen, die die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt. Eine Weitergabe oder Veröffentlichung ist für die Strafbarkeit nicht erforderlich. Die Polizei appelliert an die Bevölkerung: Rettungseinsätze sind kein Spektakel und schon gar kein Motiv für Nahaufnahmen.