Ein Bergwaldbrand am Saurüsselkopf bei Ruhpolding entwickelte sich zu einem der größten Waldbrandeinsätze in der Geschichte Bayerns. Einsatzkräfte der Bergwacht Amberg und Sulzbach-Rosenberg waren tagelang im steilen Gelände und kämpften gegen Feuer, Wind und Neuschnee.
Katastrophenfall am Saurüsselkopf
Am Sonntag, dem 3. Mai 2026, brach im Gipfelbereich des Saurüsselkopfes bei Ruhpolding im Landkreis Traunstein ein Feuer aus, das rasch außer Kontrolle geriet und zum offiziellen Katastrophenfall erklärt wurde.
Zehn Tage lang bekämpften Feuerwehren des Landkreises, die Staatsforsten, die Bergwacht Bayern, die Bundeswehr und die Polizei einen der größten Bergwaldbrände in der Geschichte des Freistaats. Mehr als zehn Hubschrauber waren tagelang im Einsatz und warfen aus der Luft gezielt Wasser ab. Der Einsatz entwickelte sich schnell zu einem bayernweiten Großeinsatz, der Personal und Material aus allen Regionen des Landes forderte.
Oberpfälzer Bergretter rücken aus
Bereits ab Donnerstag unterstützte eine Einsatzkraft der Bergwacht Amberg in der Einsatzleitung vor Ort in Ruhpolding. Am Sonntag, dem 10. Mai, wurden weitere Kräfte der Bergwacht Bayern aus den Regionen Bayerwald und Hochland Ost angefordert, um die regionalen Bergretter abzulösen.
Fünf Einsatzkräfte der Bergwacht Amberg und eine Einsatzkraft aus Sulzbach-Rosenberg machten sich gemeinsam mit Kollegen aus Regensburg, Weiden und Deggendorf auf den Weg in den Landkreis Traunstein. Von Montag, 6:30 Uhr, bis Mittwochabend, 19:00 Uhr, sicherten die Oberpfälzer die Löschkräfte der Feuerwehr im steilen Gelände und transportierten Material unter extremen Bedingungen.
Wetter als zusätzliche Gefahr im Einsatz
Der Einsatz forderte die Retter nicht nur durch das schwierige Terrain. Am Montagmorgen sorgten hohe Temperaturen für starke körperliche Belastung, bevor das Einsatzgebiet mittags wegen eines aufziehenden Gewitters akut geräumt werden musste. Am Dienstag fiel Neuschnee ab rund 800 Metern Höhe und schränkte die Löscharbeiten erheblich ein. Am Mittwoch kehrten die Einsatzkräfte bei trockenerem Wetter zurück und löschten die letzten Glutnester.
Da das abgebrannte Gelände stark absturzgefährdet war und die fehlende Vegetation das Sichern erschwerte, waren Bergwacht und Feuerwehr mit Steigeisen und Seilsicherung unterwegs. Über 3.000 Meter Seil wurden am Berg verbaut. Drohnenpiloten aus der Rhön und Bergführer aus dem Allgäu unterstützten den Einsatz. Eine Bergwachtnotärztin aus Amberg sicherte die Einsatzkräfte medizinisch am Hubschrauberlandeplatz ab.
Markus Arnold, der selbst als Bergretter im Gelände tätig war, beschrieb die Lage eindrücklich: „Das Ausmaß des Brandes ist unvorstellbar, bis man selbst am Berg ist. Das Gelände ist so steil, dass mit Steigeisen gearbeitet werden muss und jeder Arbeitsschritt unglaublich aufwendig ist.“ Alexander Renner, der in der Einsatzleitung tätig war, ergänzte: „Das Miteinander aller Organisationen war überwältigend.“
Kaum Pause – sofort wieder im Einsatz daheim
Die erschöpften Retter aus Amberg und Sulzbach-Rosenberg hatten kaum Zeit zur Erholung. Noch am Feiertag nach ihrer Rückkehr wurden die Bergwachten Amberg, Sulzbach-Rosenberg, Lauf-Hersbruck und Nürnberg zu zwei Einsätzen im Landkreis Amberg-Sulzbach alarmiert.
Kurz nach 11 Uhr versorgten Einsatzkräfte eine am Sprunggelenk verletzte Person am Felsentor bei Hauseck im Hirschbachtal. Am Nachmittag ereignete sich an den Katzenlöchern im Grenzgebiet zum Landkreis Nürnberger Land ein Kletterunfall. Eine schwer verletzte 33-jährige Frau musste gemeinsam mit Rettungsdienst, Feuerwehr und einem Rettungshubschrauber aus Nürnberg gerettet werden.